„Wir werden unsere Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft wahrscheinlich auf 2,5 bis 3 Prozent heraufsetzen“, so die Information von Professor Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Bislang hatten die Ökonomen für 2010 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um 2 Prozent gerechnet – und damit schon Ende 2009 einen relativ hohen Wert prognostiziert.
Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal geliefert hat, „sind aber so sensationell gut, dass für das Gesamtjahr ein noch stärkeres Wachstum absehbar ist“, so der Professor. „Jetzt zeigt sich in aller Deutlichkeit, wie kräftig die weltweiten Konjunkturprogramme die Wirtschaft angeschoben haben. Allerdings laufen die meisten davon im Laufe diesen Jahres aus. Erst danach wird sich zeigen, ob die deutsche Wirtschaft nur eine Erholung nach der tiefen Krise erlebt, oder einen selbst tragenden Aufschwung. Wir sehen da noch eine Menge Risiken.“
Der Konjunkturexperte warnt deshalb vor „Euphorie, die den Blick darauf verstellt, dass wir in Deutschland noch einige Hausaufgaben zu machen haben.“ Der staatliche und private Konsum haben sich zwar etwas besser entwickelt, bleiben aber im internationalen Vergleich weiter schwach. „Die deutsche Wirtschaft steht nach wie vor nur auf einem Bein: dem Export. Das macht uns abhängiger vom Ausland, als es sein müsste,“ so Horn weiter. Er hält sowohl höhere staatliche Investitionen als auch eine stärkere, produktivitätsorientierte Lohnentwicklung für nötig, um die Binnennachfrage zu stärken.